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EIWOs Händlernetzwerk nimmt Form an

11.10.2010

Henric und Martina Wolfram, Geschäftsführer des Backbedarfsgroßhandels Eiwo-Wolfram GmbH, Coesfeld, sind angetreten, die Großhandelsbranche aufzumischen. Die Nachrichten über florierende Mühlenkartelle, die gerade vom Kartellamt ausgehoben werden, spülen zusätzlich Wasser unter den Kiel der Coesfelder.

Nachdem Eiwo einen „einheitlichen Mehlpreis für Deutschland“ offeriert und unverbindlich eine 5 kg Brötchenbackmittel-Testbox inklusive direkten Preisvergleich mit Konkurrenzprodukten anbietet, gehen die Wolframs wieder einen Schritt weiter Mithilfe von Systempartnern (einem Begriff, den man gemeinhin aus dem Franchise-Business kennt) werden die Coesfelder Großhändler ihre Reichweite ausdehnen. Insgesamt haben sich Wolfram zufolge bereits sieben regionale Großhändler gefunden, die bereit sind, das komplette Eiwo-Sortiment zu vertreiben. Die ersten Systempartner haben Ende September offiziell ans Eiwo-Netz angedockt. Dabei handelt es sich unter anderem um den Regionalhändler der mittelhesse – Bestes für Bäcker aus Bischoffen im Lahn-Dill-Bergland.

Der Back- und Trennmittelproduzent Sonneveld, der erst im vergangenen Mai in die norwegische Orkla-Gruppe hineingekauft wurde, will sich mithilfe von Eiwo aktiver im deutschen Vertrieb aufstellen. Sonnveld produziert nun alle Trennmittel für Eiwo exklusiv und wird künftig das Coesfelder Lager als Zentrallager Deutschland nutzen.

Obwohl die Wolframs erst Anfang September mit ihrer Idee, ein Händler-Netzwerk gründen zu wollen, an die Öffentlichkeit gingen, müssen schon ihre vorhergehenden Einfälle für Unmut bei den „Kollegen“ gesorgt haben. Jedenfalls sahen sich die Coesfelder bemüßigt, ihren Rechtsanwalt ein „Rundschreiben an die Kunden der Fa. Eiwo-Wolfram GmbH“ verfassen zu lassen, in dem es heißt: Aus dem Kundenkreis unserer Partei ist zu hören, dass der Wettbewerb Drohungen ausspricht: „Wer bei Eiwo einkauft, der wird nicht mehr beliefert. Wer bei Eiwo einkauft, dem kündigen wir die Kredite. Wer bei Eiwo einkauft, der ...“ und so weiter.

Wolfram gibt sich in dem Rundschreiben kämpferisch: „Wenn wir wüssten, wer solche schwarzen Listen führt und seine Kunden bedroht, dann [sic] würden wir bei den jeweiligen Landesregierungen kartellrechtliche Ermittlungsverfahren einleiten lassen. Dann würden die Aufsichtsbehörden gegen diese Unternehmen vorgehen und im Interesse aller Kunden dafür Sorge tragen, dass der freie Wettbewerb aufrecht erhalten bleibt“. Und für jeden Bäcker, der seinen drohenden Lieferanten namentlich und offiziell melden möchte, hat Wolfram auch gleich einen Anreiz parat: drei Paletten Mehl seiner Wahl als Belohnung.

BackBusiness, 9. Oktober 2010